Pressemitteilung

Hamburg, 28.12.2016

Searchwing.org - Ein Modellflugzeug soll Leben retten

Aktivisten und Hacker machen gemeinsame Sache beim Finden und Retten von Flüchtenden im Mittelmeer. Computergesteuerte und mit Kameras ausgestattete Modellflugzeuge, sowie eine App sollen dabei helfen, Rettungseinsätze besser zu koordinieren und Flüchtende in Seenot schneller zu finden. Unterstützt wird Searchwing von Sea-Watch und dem Chaos Computer Club.

“Wenn wir sie nicht finden sterben sie”, so lautet der schmerzliche Alltag der freiwilligen Helfer des gemeinnützigen Vereins Sea-Watch, einer NGO die, finanziert durch Spendengelder, zwei Rettungs-Schiffe im Mittelmeer betreibt. Dort findet und rettet Sea-Watch seit zwei Jahren Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Terror die immer noch lebensgefährliche Reise nach Europa wagen müssen, aus höchster Seenot. “Das Einsatzgebiet im Mittelmeer ist sehr gross, unsere Sichtweite ist beschränkt, die kleinen Boote sind schwer zu finden”, beschreibt Ruben Neugebauer von Sea-Watch die Problemlage vor Ort. Hier können die Hacker aus dem Chaos Computer Club Berlin helfen. “Statt echten Flugzeugen mit menschllichen Piloten oder Pilotinnen schicken wir Modellflugzeuge mit Kameras in denen ein Computer den Steuerlknüppel bedient” erklärt ‘Steini’. “Die sind viel billiger, viel kleiner, fliegen umweltfreundlich elektrisch und können vom Schiff aus starten und in einem Netz auf dem Schiff auch wieder landen, statt erst hunderte Kilometer vom nächsten Flugplatz bis zum Einsatzgebiet zu fliegen”.

Die Hacker beschäftigen sich seit über 15 Jahren mit Gefahren und Nutzen von autonomen, computergesteuerten Systemen. “Hier gibt es ein sinnvolles Einsatzgebiet für solche Technologien” ergänzt ‘Benthor’ “mit denen wir helfen können, die menschliche Katastrophe etwas zu lindern”. Mit ihrer technischen Fachkompetenz unterstützen die Tüfftler die Arbeit von Sea-Watch und stellen alle Technologien der Allgemeinheit zur Verfügung - und dies ausschliesslich für humanitäre Zwecke. Eine speziell dafür angepasste Nutzungslizenz verhindert, dass die Arbeit der Experten legal für kommerzielle oder gar militärische Zwecke eingesetzt werden kann. “Die Rettung von Menschenleben ist eines der wenigen sinnvollen Einsatzgebiete für Drohnen, deshalb hilft die Hacking-Community hier gerne.” kommentierte Frank Rieger, einer der Sprecher des CCC. “Diese Technologie alleine dem Militär und den Spionen zu überlassen wäre ein Fehler.”

Bis März soll ein erstes Fluggerät für einen ersten Test vor Ort einsatzbereit sein. Bis dahin ist noch eine Menge zu tun, und ettliche Probleme sind noch zu lösen. “Die Drohne soll sehr preiswert sein, damit niemand traurig ist, wenn mal eine nicht zurück kommt.” sagt Steini. Die ‘low cost’ Funkverbindung ist noch eine interessante Herausforderung ebenso die automatische Landung im Netz eines schwankenden Schiffes. Auch die Reichweite von derzeit etwa 100km soll noch verdoppelt werden. So hat das Team mehrere Meilensteine definiert, die im nächsten Jahr erreicht werden sollen. Das wichtigste Ziel ist, das Gerät einsatzbereit zu bekommen und die Helfer von Sea-Watch und anderen zivilen Organisationen zu schulen. Dann soll eine automatische Bilderkennung folgen, um dem Bodenpersonal so viel Arbeit wie möglich abzunehmen. Später könnten weitere Sensoren hinzu kommen um die Zuverlässigkeit zu erhöhen. Das Fluggerät soll modular sein, mit austauschbaren Komponenten und für Laien leicht zu bedienen. Damit stünde dann den NGOs eine ähnliche Technologie zur Verfügung wie den Militärs und Regierungen. Diese aber schauen tatenlos zu, oder entwickeln Drohnen, um Menschen zu töten statt sie zu retten.

Neben der Luftaufklärung wird derzeit von Sea-Watch eine Software entwickelt, mit der die zahlreichen zivilen Rettungs-Schiffe sich untereinander besser koordinieren können, auch hier helfen die Hacker tatkräftig mit. “Durch die Luftaufklärung in Kombination mit einer Software, in die die Daten eingespeist werden können, erhalten wir in Zukunft hoffentlich ein genaues Lagebild der Situation im Einsatzgebiet. So können wir unsere Ressourcen effizienter einsetzen und mehr Leben retten” sagt Nicolas Zemke, einer der Entwickler der Software. “Hier sind wir sehr dankbar für die Unterstüzung die wir erhalten,” ergänzt Joshua Krüger, die beiden Entwickler haben auch an einer Rettungsmission im zentralen Mittelmeer teilgenommen. “2016 war das tödlichste Jahr an Europas Außengrenzen - Die EU tut nichts, um das Sterben zu beenden. Daher wird auch 2017 weiter die Zivilgesellschaft einspringen müssen wo Staaten versagen. Dank solch befruchtender Kooperationen wie im Searchwing Projekt werden wir dabei in Zukunft noch effektiver sein.” so Krüger.

Für Rückfragen stehen wir ihnen gerne zur Verfügung:

SearchWing

  • www.searchwing.org
    • Ruben Neugebauer, ruben@sea-watch.org, +4915773689421
    • Steini, steini@searchwing.org, +49 1772155043
    • Benthor, benthor@searchwing.org

Bildmaterial aus den Rettungseinsätzen der Sea-Watch finden sie hier